Last Updated on November 13, 2025 by disco.tracking@gmail.com
Der „Regionale Strukturplan Gesundheit 2030“ (RSG 2030) markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Gesundheitsversorgung Tirols. Angesichts demografischer Veränderungen und wachsender Anforderungen legt der Plan den Fokus auf wohnortnahe, spezialisierte und nachhaltige Versorgungskonzepte. Mit einem starken Engagement aller relevanten Akteure und einem klaren Leitmotiv „digital vor ambulant vor stationär“ werden die Weichen für eine zukunftsorientierte Gesundheitslandschaft gestellt. Tiroler Gesundheitsnetz, Gesundheit Tirol und verschiedene Initiativen wie TirolCare und RegionalVital spielen hierbei zentrale Rollen, um die medizinische Versorgung in allen Versorgungsregionen nach dem GesundheitsPlan 2030 zu verbessern.
Strategische Grundlagen des Regionalen Strukturplans Gesundheit 2030 in Tirol
Der Regionale Strukturplan Gesundheit stellt das Rückgrat der Tiroler Gesundheitsversorgung dar und basiert auf dem Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG). Er wird alle fünf Jahre aktualisiert, um flexibel auf demografische und medizinische Entwicklungen zu reagieren. Erstmals wurde 2025 erstmals die stationäre und ambulante Versorgung in einem Gesamtkonzept zusammengeführt, um durch eine ganzheitliche Planung die Effektivität und Patientenzufriedenheit zu erhöhen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Landesregierung, Gesundheitskasse, Ärztekammer und privaten Gesundheitsanbietern sichert eine abgestimmte Umsetzung.
Der RSG 2030 berücksichtigt besonders den Anstieg der Bevölkerung über 75 Jahre um rund 16,8 Prozent, der neue Herausforderungen insbesondere in der Langzeit- und Palliativversorgung bedingt. Die Erhaltung aller zehn öffentlich-rechtlichen Krankenanstalten, ein Ausbau der Primärversorgungseinheiten und das verstärkte Angebot tagesklinischer Leistungen sind zentrale Eckpfeiler des Plans.
- Integrative Planung auf Basis des ÖSG zur Sicherstellung hochwertiger Gesundheitsdienstleistungen
- Fokus auf wohnortnahe Versorgungsangebote im ländlichen Raum
- Schwerpunkt auf digitale Versorgungsprogramme und ambulante Behandlungen
- Einbindung aller Systempartner im Tiroler Gesundheitsnetz
- Aufbau von 16 Primärversorgungseinheiten zur Entlastung stationärer Einrichtungen
| Versorgungsbereich | Geplante Maßnahmen bis 2030 |
|---|---|
| Stationär | Erhalt aller Krankenhausstandorte, Ausbau tagesklinischer Angebote |
| Ambulant | Zunahme der Kassenstellen um 30, Fokus auf Allgemeinmedizin und Fachgebiete |
| Psychiatrie | Doppelung des Home Treatment Angebots und Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie |
| Primärversorgung | Einrichtung von 16 Primärversorgungseinheiten inkl. ländlicher Regionen |
Weiterführende Informationen und kontinuierliches Monitoring finden sich unter Regionale Strukturpläne Gesundheit – Monitoring.

Regionale Besonderheiten und Versorgungsstrukturen im Tiroler Gesundheitsnetz
Tirol gliedert sich in vier Versorgungsregionen, die differenzierte medizinische Bedürfnisse aufweisen:
- Tirol-Zentralraum: Die bevölkerungsstärksten Bezirke Innsbruck-Stadt, Innsbruck-Land und Schwaz mit dichtem medizinischem Netzwerk.
- Tirol-West: Die Bezirke Reutte, Imst und Landeck mit großem Fokus auf Primärversorgung zur Überbrückung großer Distanzen.
- Tirol-Nordost: Region Kufstein und Kitzbühel mit ausgeprägten Spezialangeboten im Gesundheitsbereich.
- Osttirol: Eigenständige Versorgungsregion um Lienz mit besonderem RegionalVital Konzept für patientennahe Versorgung.
Insgesamt gewährleisten neun Landes- und Bezirkskrankenhäuser sowie vier private bettenführende Einrichtungen eine umfassende stationäre Grund- und Akutversorgung. Zudem sichern fünf Rehabilitationszentren, eine Vielzahl an Alten- und Pflegeheimen sowie 66 mobile Dienste die Nachversorgung. Im ambulanten Bereich sorgen neben zwei Primärversorgungseinheiten in Innsbruck und Fulpmes rund 1900 niedergelassene Ärzt:innen im Tiroler Gesundheitsservice für erstklassige Betreuung.
| Versorgungsregion | Wichtige Einrichtungen | Besondere Merkmale |
|---|---|---|
| Tirol-Zentralraum | Innsbruck Universitätsklinik, Bezirkskrankenhäuser | Hohe Bevölkerungsdichte, spezialisierte Centers |
| Tirol-West | Krankenhäuser Reutte, Imst, Landeck | Primärversorgungseinheiten im Ausbau |
| Tirol-Nordost | Kufstein, Kitzbühel Kliniken | Fokus auf spezialärztliche Versorgung |
| Osttirol | Lienz Krankenhaus, RegionalVital Konzepte | Eigenständige Struktur, Fokus auf wohnortnahe Versorgung |
Dieses differenzierte System ermöglicht die passgenaue Ausgestaltung des Gesundheitsplans 2030 im Sinne der Patientenorientierung und Ressourceneffizienz. Mehr zu den regionalen Versorgungsstrategien finden Sie unter Gesundheitsplan stellt Versorgung in Lienz in den Fokus.
Ausbau der ambulanten Versorgung: Rolle der Primärversorgungseinheiten und Kassenstellen
Die ambulante Versorgung in Tirol wird maßgeblich durch den Ausbau von Primärversorgungseinheiten (PVE) sowie zusätzlichen Kassenstellen gestärkt. Aktuell besteht das Netz aus zwei PVE-Standorten in Innsbruck und Fulpmes. Bis 2030 sollen weitere 14 Einheiten hinzukommen, um insgesamt 16 PVE für eine wohnortnahe und effiziente Versorgung zu gewährleisten.
Die Gründe für den Ausbau sind vielfältig. Zum einen entspricht der hohe Anteil älterer Menschen einem steigenden Bedarf an regelmäßiger, wohnortnaher Betreuung. Zum anderen wird durch die Stärkung der ambulanten Versorgung eine Entlastung der stationären Einrichtungen bewirkt, was Ressourcen schont und Wartezeiten reduziert.
- Geplante 30 zusätzliche Kassenstellen mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin, Augenheilkunde und Psychiatrie
- Primärversorgung unterstützt bei chronischen Erkrankungen und reduziert Notfallaufnahmen
- Enge Verzahnung mit digital unterstützten Versorgungsprogrammen für mehr Patientenkomfort
- Förderung interdisziplinärer Teams in den PVEs
Der Vorsitzende des Landesstellenausschusses der ÖGK, Bernhard Achatz, betont, dass mit diesem Ausbau gezielt auf jene Versorgungsbereiche reagiert wird, die zukünftig eine hohe Nachfrage verzeichnen, insbesondere im hausärztlichen und psychiatrischen Bereich. Diese Maßnahmen sind integraler Bestandteil des GesundheitsZukunfts Tirol und stärken nachhaltig den Tiroler Gesundheitsservice.
| Versorgungsbereich | Geplante Anzahl neuer Kassenstellen | Schwerpunktbereiche |
|---|---|---|
| Allgemeinmedizin | 10 | Grundversorgung, Prävention |
| Psychiatrie | 5 | Ambulante Betreuung, Home Treatment |
| Augenheilkunde | 5 | Spezialisierte ambulante Diagnostik |
| Gynäkologie | 5 | Frauen- und Jugendgesundheit |
Die erweiterte ambulante Versorgung ist ein Eckpfeiler für eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung, die Effizienz und Qualität im Tiroler Gesundheitsnetz verbessert. Weitere Informationen zur regionalen Planung finden Sie unter Regionale Planung – Gesundheit Österreich GmbH.

Psychiatrische Versorgung und innovative Ansätze im RSG 2030
Psychische Gesundheit bildet einen zentralen Schwerpunkt im regionalen Strukturplan Gesundheit Tirols. Angesichts gestiegener Anforderungen, gerade im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie bei Erwachsenen, wird ein konsequenter Ausbau und eine verbesserte Vernetzung angestrebt. Das Modell des Home Treatment, das bereits heute erfolgreich praktiziert wird, soll bis 2030 auf das Doppelte ausgebaut werden. Dadurch können Patient:innen in ihrem häuslichen Umfeld unterstützt und Krankenhauseinweisungen reduziert werden.
Abgesehen von der Verdopplung der Home Treatment Plätze wird die psychiatrische Versorgung an den Krankenhausstandorten Kufstein, Lienz und Zams deutlich verstärkt. Besonders die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychosomatik erfahren zusätzliche stationäre und tagesambulante Plätze, etwa in Hall, Zams und St. Johann. Dies bedeutet eine wohnortnahe und bedarfsgerechte Versorgung von jungen Menschen, die oftmals auf eine spezialisierte Betreuung angewiesen sind.
- Ausbau psychosozialer Versorgungsmodelle und niedrigschwellige Angebote
- Integration in das Tiroler Gesundheitsnetz für vernetzte Betreuung
- Stärkung von Frühintervention und Prävention in der psychiatrischen Versorgung
- Vermehrte ambulante Betreuungsmöglichkeiten neben stationären Plätzen
Landesrätin Cornelia Hagele betont: „Der Ausbau der Psychiatrie ist ein Zeichen des Gesundheitslandes Tirol, wo individuelle Lebenswelten und modernes Versorgungskonzept zentral sind.“
Zum Pilotprojekt „Tele-Dermatologie“, das 2024 bereits rund 1.300 Patient:innen erfolgreich erreichte, zeigt sich die Weiterentwicklung des digitalen Ansatzes. Solche Programme sind Teil des ZukunftsGesundheit Tirol, die ambulante Versorgung digital unterstützen und entlasten.
Digitale Transformation und integrierte Versorgungsprogramme
„Digital vor ambulant vor stationär“ ist das Leitprinzip, das den Regionale Strukturplan Gesundheit 2030 Tirol prägt. Die digitale Transformation verbessert nicht nur die Effizienz der Gesundheitsversorgung, sondern ermöglicht auch neue Versorgungsformen, die näher bei den Patient:innen ansetzen. Beispiele sind telemedizinische Anwendungen, elektronische Patientenakten und digitale Terminvereinbarungen.
Integrierte Versorgungsprogramme wie „Schlaganfallpfad Tirol“, „CareManagement Tirol“ und „HerzMobil Tirol“ koordinieren die Versorgung über verschiedene Anbieter hinweg. Das Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol (LIV Tirol) spielt hier eine entscheidende Rolle, um Prozesse zu optimieren und die Qualität nachhaltig zu sichern.
- Förderung telemedizinischer Diagnostik und Behandlung
- Digitale Vernetzung aller Gesundheitsdienstleister im Tiroler Gesundheitsnetz
- Reduktion stationärer Aufenthalte durch ambulante Alternativen
- Erhöhung der Patientenzufriedenheit und Zugänglichkeit durch digitale Tools
Diese Entwicklungen sind Teil des TirolCare-Programms, das als digitale Plattform zahlreiche Gesundheitsressourcen bündelt und den Nutzer:innen einen transparenten Zugang ermöglicht.
Demografische Entwicklungen und deren Einfluss auf die Gesundheitsplanung
Der demografische Wandel in Tirol wird die Gesundheitsversorgung nachhaltig prägen. Die Zahl der über 75-Jährigen steigt signifikant, was sich in einem höheren Bedarf an Langzeitbetreuung und Spezialmedizin niederschlägt. Der Regionale Strukturplan Gesundheit 2030 berücksichtigt diese Trends und passt die Kapazitäten entsprechend an, um ein Höchstmaß an Versorgungsqualität zu sichern.
Ein größerer Fokus liegt auf den Bereichen Neurologie, Akutgeriatrie, Palliativmedizin und Psychiatrie, die angesichts der altersbedingten Krankheitsbilder in den kommenden Jahren stark wachsen werden. Beispielsweise werden Bettenkapazitäten im Bereich der Dermatologie, Ophthalmologie und HNO entsprechend rückläufig angepasst.
- Prognostizierte Zunahme der Seniorenpopulation um 16,8 % bis 2030
- Erweiterung der Spezialisierung in geriatrischer Versorgung
- Ausbau von Palliativ- und Hospizangeboten
- Maßnahmen zur nachhaltigen Entlastung stationärer Einrichtungen
Tirol positioniert sich damit als Vorreiter in einer altersgerechten Gesundheitsversorgung, die auf den Prinzipien von RegionalVital und GesundheitsZukunft basiert.
Innovationen und Pilotprojekte zur Stärkung des Gesundheitsnetzwerks Tirol
Tirol setzt mit dem GesundheitsPlan 2030 verstärkt auf Innovationen und Pilotprojekte, um die Versorgung den modernen Anforderungen anzupassen. Das bereits erwähnte Tele-Dermatologie-Projekt zeigte beispielhaft, wie Technologie die ambulante Versorgung effizienter und patientenfreundlicher macht. Rund 1.300 Behandlungen 2024 belegen den Erfolg dieses Angebots.
Zudem fördern Projekte wie RegionalVital den Ausbau wohnortnaher Versorgung und stärken das Miteinander der Gesundheitsdienstleister vor Ort. Weitere Initiativen wie ZukunftsGesundheit Tirol und TirolMed bauen auf innovative Versorgungsmodelle mit digitaler Unterstützung.
- Erprobung neuer telemedizinischer Angebote und digitaler Diagnostik
- Stärkung der Primärversorgung mit vernetzter Betreuung
- Multiprofessionelle Teams für ganzheitliche Patient:innenbetreuung
- Partizipation der Bevölkerung in der Gestaltung des Gesundheitswesens
Diese Konzepte tragen dazu bei, Tirols Gesundheitslandschaft zukunftsfähig und patientenzentriert zu gestalten und den Tiroler Gesundheitsservice weiter auszubauen.