Last Updated on September 28, 2025 by disco.tracking@gmail.com
Der 4. Praxistag zum Thema „Demenz – den Alltag meistern“ fand am 20. September 2025 in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz statt und zog rund 70 Interessierte an. Die Veranstaltung bot eine vielfältige Plattform für Betroffene, Angehörige und Fachleute, um Informationen über die komplexe Erkrankung Demenz auszutauschen und praxisnahe Lösungen zu erarbeiten. Unter der Organisation von Selbsthilfe Osttirol und in enger Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Alzheimer Gesellschaft Österreich und dem Lienz Demenz Netzwerk wurde der Tag zu einer wertvollen Quelle des Wissens, der Unterstützung und der Gemeinschaft. Mit Workshops, Vorträgen und persönlichen Beratungsgesprächen konnten die Besucher nicht nur ihr Verständnis vertiefen, sondern auch hilfreiche Techniken kennenlernen, um den Alltag mit demenzkranken Menschen besser zu bewältigen. In einer Zeit, in der die Zahl der Demenzerkrankungen in Tirol und ganz Österreich stetig wächst, bietet dieser Praxistag eine dringend notwendige Orientierungshilfe und stärkt die Resilienz von Angehörigen und Betroffenen gleichermaßen.
Die vielfältigen Herausforderungen von Demenz verstehen und bewältigen
Demenz ist weit mehr als nur der Verlust von Gedächtnis. Sie betrifft kognitive, emotionale und körperliche Bereiche und stellt sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen vor enorme Herausforderungen. Der 4. Praxistag in Lienz zeigte deutlich, wie komplex die Krankheit ist und wie unterschiedlich sie im Alltag erlebt wird. Ein zentrales Anliegen war es, zu vermitteln, dass Demenz Menschen nicht zu „Kindern“ macht, sondern ihr Verhalten auf andere Weise interpretiert werden muss. Stefan Sumerauer, der Eröffnungsvortragende, empfahl, sich auf den „Urmenschen in uns“ zu besinnen. Dies bedeutet, die oftmals irritierenden Verhaltensweisen von demenziell erkrankten Menschen als instinktive Reaktionen zu sehen, die aus tief verwurzelten, urzeitlichen Verhaltensmustern hervorgehen.
Ein Beispiel hierfür ist das Wiedererleben vergangener Emotionen oder das Aufgreifen von längst vergangenen Ritualen, die Sicherheit vermitteln. Solche Einsichten helfen Angehörigen, das Verhalten ihrer Liebsten nicht persönlich zu nehmen, sondern mit mehr Verständnis und Geduld zu begegnen. Die Emotionen von Trauer, Ratlosigkeit und auch Wut sind für viele Familienangehörige alltäglich, doch der Praxistag vermittelte auch Strategien, wie damit umzugehen ist.
- Verstehen der verschiedenen Demenzformen und deren Verlauf
- Erkennen von herausfordernden Verhaltensweisen und deren Ursachen
- Emotionale Unterstützung und Umgang mit eigenen Gefühlen der Angehörigen
- Anpassung der Kommunikation an die Bedürfnisse der Erkrankten
- Förderung von Beziehung und Kontakt trotz der Krankheit
Das Verständnis für die Krankheit und ihre Auswirkungen ist der erste Schritt, um neue Wege zu finden, wie Leben mit Demenz lebenswert gestaltet werden kann. Mit Wissen und Einfühlungsvermögen können Familien eine Atmosphäre schaffen, in der Betroffene weiterhin Achtung und Wertschätzung erfahren.
Workshops: Praktisches Wissen vermittelt in kleinen Gruppen
Ein Highlight des Praxistags waren die fünf parallel stattfindenden Workshops, in denen praxisnahes Wissen vermittelt wurde. Diese boten Raum für intensive Gespräche, Fragen und den Austausch unter Betroffenen und Experten. Die Workshops behandelten Themen, die im Alltag mit Demenz besonders relevant sind:
- Was ist Demenz und wie entwickelt sie sich?
- Kommunikation mit demenzkranken Angehörigen – Wege und Herausforderungen
- Selbstfürsorge: Wie bleiben Angehörige körperlich und emotional stark?
- Gestaltung einer demenzfreundlichen Umgebung zu Hause
- Wohlbefinden durch Sinnesansprache: Berührung, Musik, Düfte
- Umgang mit herausforderndem Verhalten
- Was gibt Zuversicht und Hoffnung im Alltag?
Die Workshopleiterin Daniela Meier, die auch Obfrau der Selbsthilfe Osttirol und Pflegedienstleiterin im Wohn- und Pflegeheim Lienz ist, berichtete aus ihrer umfangreichen Erfahrung: „Angehörige betreuen überwiegend emotional. Das zerrt an den Nerven. Die größte Herausforderung ist, Verhalten und Worte der Erkrankten nicht persönlich zu nehmen.“
Ein Workshop widmete sich beispielsweise dem Thema Kommunikation. Angehörige lernten, wie wichtig nonverbale Signale sind und dass ein einfühlsamer Umgang oft mehr bewirken kann als viele Worte. Die Gestaltung einer demenzfreundlichen Umgebung wurde anhand von Beispielen erläutert, wie man Alltagssituationen sicherer und angenehmer gestalten kann. Dazu gehören klare Strukturen, Vermeidung von Orientierungsverlust und das Schaffen von vertrauten Rückzugsorten.
| Workshop-Thema | Inhalte | Praktische Tipps |
|---|---|---|
| Demenz verstehen | Formen, Symptome, Verlauf | Geduld, Informieren, offene Gespräche |
| Kommunikation | Sprachlosigkeit, nonverbale Zeichen | Aktives Zuhören, ruhige Stimme, Berührungen |
| Selbstfürsorge | Stressbewältigung, Pausen, Austausch | Eigenzeit nehmen, Unterstützung annehmen |
| Wohnumgebung | Barrierefreiheit, Sicherheit, Orientierung | Farbliche Kennzeichnung, vertraute Gegenstände |
| Wohlbefinden | Sinnesanregung, Musik, Düfte | Individuelle Vorlieben beachten, Berührungen |
Die kleinen Gruppen ermöglichten eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der auch persönliche Anliegen offen besprochen werden konnten. Viele Teilnehmer berichteten, dass sie sich dadurch weniger isoliert fühlen und neue Kraft schöpfen konnten.
Das breite Netzwerk als Rückhalt für Betroffene und Angehörige in Osttirol
Der Praxistag „Demenz – den Alltag meistern“ wurde von einem Netzwerk vielfältiger Organisationen getragen, die sich in Osttirol um Beratung, Betreuung und Unterstützung kümmern. Zu den wichtigen Partnern gehören Selbsthilfe Osttirol, die Österreichische Gesundheitskasse, Caritas Tirol und die Sozial- und Gesundheitssprengel Lienz. Ebenso engagieren sich die DemenzHilfe Österreich und die Pro Senectute Österreich aktiv in der Aufklärung und Hilfe für Demenzbetroffene.
Die Mittagspause am Praxistag bot Gelegenheit, sich an den Informationsständen direkt bei Ansprechpartnern zu informieren und individuelle Fragen zu klären. Besonders oft wurden Angebote zur häuslichen Pflege, rechtliche Unterstützung und Freizeitaktivitäten nachgefragt. Daniela Meier betonte: „Viele Menschen zögern, professionelle Hilfe anzunehmen. Der Praxistag zeigt, dass Unterstützung keine Schwäche ist, sondern Lebensqualität verbessert.“
- Unterstützung durch professionelle Pflege und Tagesbetreuung
- Rechtliche Beratung zur Vorsorge und Betreuung
- Psychosoziale Begleitung von Angehörigen
- Angebote von Freizeit- und Bewegungsprogrammen
- Vernetzung mit Selbsthilfegruppen und ehrenamtlichen Helfern
Das Netzwerk arbeitet eng zusammen, um eine möglichst umfassende Begleitung für Menschen mit Demenz und deren Familien zu gewährleisten. So wird die Isolation verringert und die Versorgungssituation nachhaltig verbessert.
Emotionale Entlastung durch Austausch und gemeinsames Lernen
Ein wesentlicher Aspekt des Praxistages war die Möglichkeit für Angehörige, andere Menschen in ähnlichen Situationen zu treffen und sich offen über die Belastungen und Erfolgserlebnisse auszutauschen. „Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen und den täglichen Herausforderungen“, berichtete eine Teilnehmerin. Diese Erfahrung nimmt viele Last von den Schultern und fördert ein Gefühl von Gemeinschaft.
Angehörige können in solchen Gruppen lernen, besser mit schwierigen Gefühlen wie Trauer und Wut umzugehen und erhalten praktische Tipps für den Alltag. Der Praxistag bot daher auch gezielte Gesprächsgruppen und moderierte Austauschrunden an.
- Förderung sozialer Kontakte und Abbau von Isolation
- Stärkung der psychischen Gesundheit durch gemeinsames Erleben
- Erfahrungsaustausch zu Alltagstechniken und neuen Hilfsmitteln
- Aufbau eines persönlichen Netzwerks aus Betroffenen und Fachleuten
- Motivation und Hoffnung durch positive Beispiele
Die offene Atmosphäre schafft Vertrauen und ermutigt Besucher, auch im Alltag Hilfe zu suchen und die eigenen Ressourcen zu stärken. Dies ist ein wichtiger Beitrag, um die schwierige Lebensphase besser zu meistern.
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Hilfsmittel im Fokus
Der Praxistag beteiligte sich auch am Austausch zu aktuellen Forschungsergebnissen im Bereich Demenz. Experten informierten über Fortschritte in der Diagnose, zu innovativen Therapieansätzen und Assistenztechnologien. Diese Entwicklungen eröffnen neue Perspektiven, um die Lebensqualität von Betroffenen weiter zu verbessern.
So spielen digitale Hilfsmittel wie Erinnerungssysteme, Orientierungshilfen oder Smart Home Lösungen eine immer größere Rolle im Alltag mit Demenz. Durch den gezielten Einsatz solcher Technologien können Angehörige entlastet werden, während Patienten mehr Selbstständigkeit erfahren.
- Verbesserte Früherkennung durch moderne Diagnosetechniken
- Innovationen in medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie
- Smart Home und digitale Assistenten zur Unterstützung
- Wearables zur Überwachung von Vitalparametern
- Virtuelle Angebote für Beratung und Schulung
| Technologische Hilfsmittel | Funktion | Nutzen für den Alltag |
|---|---|---|
| Erinnerungssysteme | Termine, Medikamenteneinnahme | Reduzierung von Vergesslichkeit |
| Orientierungshilfen | Hinweisschilder, GPS-Tracker | Verbesserung der Sicherheit |
| Smart Home | Automatisierung von Licht, Heizung | Erleichterung der Haushaltsführung |
| Wearables | Herzfrequenz, Bewegung | Überwachung des Gesundheitszustands |
| Virtuelle Beratung | Online-Videos, Telemedizin | Leichterer Zugang zu Experten |
Diese Informationen bieten sowohl Betroffenen als auch Angehörigen neue Wege, um dem Wandel durch Demenz aktiv zu begegnen. Die Kombination aus menschlicher Zuwendung und technologischem Fortschritt ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft.
Regionale Initiativen und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen in Osttirol
In Osttirol spielt die Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen und Fachstellen eine zentrale Rolle. Die Selbsthilfe Osttirol organisiert neben dem Praxistag zahlreiche Informations- und Unterstützungsangebote für alle Betroffenen. Die regelmäßigen Treffen ermöglichen Betroffenen und Angehörigen, sich in einem sicheren Rahmen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
Daneben engagieren sich Organisationen wie Pro Senectute Österreich oder die Österreichische Krebshilfe Tirol auch mit ihren speziellen Angeboten in der Region. Gemeinsam mit Einrichtungen wie GESUND Osttirol wird so ein vielseitiges Hilfe- und Informationsnetz gebildet.
- Kostenlose Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen
- Selbsthilfegruppen für Angehörige und Betroffene
- Fortbildungen und Schulungen zu Pflege und Umgang mit Demenz
- Vernetzung mit regionalen Gesundheitsinstitutionen
- Förderung von Teilhabe und Inklusion im Alltag
Diese regionale Vernetzung unterstützt Menschen nachhaltig und zeigt auf, wie wichtig gemeinsames Handeln in der Versorgung von Menschen mit Demenz ist. Die vielfältigen Angebote schaffen ein Sicherheitsnetz, das Ängste mindert und Lebensqualität fördert.
Praktische Tipps für Angehörige: Alltag mit Demenz besser meistern
Für viele Angehörige ist die tägliche Pflege eine Herausforderung, die von großer emotionaler Belastung begleitet wird. Der Praxistag vermittelte handfeste Tipps, die den Umgang erleichtern können und gleichzeitig die Lebensqualität aller Beteiligten steigern.
- Struktur und Routine schaffen: Klare Tagesabläufe geben Sicherheit
- Kommunikation auf die Bedürfnisse des Betroffenen anpassen
- Auf sich selbst achten: Pausen einplanen und Hilfe annehmen
- Den Wohnraum demenzgerecht gestalten
- Aktivitäten anbieten, die Freude und Wohlbefinden fördern
Ein Beispiel aus der Praxis ist Frau Huber aus Osttirol, die sich um ihren dementen Vater kümmert. Sie berichtete, wie gezielte Maßnahmen, wie die Einführung vertrauter Musik und Düfte im Wohnbereich, das Wohlbefinden ihres Vaters steigerten und den Alltag für beide leichter machten. Solche Erfahrungsberichte zeigen, wie wertvoll ein ganzheitlicher Ansatz ist.
| Praktischer Tipp | Beschreibung |
|---|---|
| Routinen | Feste Zeiten für Mahlzeiten, Spaziergänge und Ruhephasen |
| Kommunikation | Klare, einfache Sätze; Geduld; nonverbale Signale |
| Selbstfürsorge | Regelmäßige Pausen und Entlastung organisieren |
| Wohnumgebung | Vermeidung von Stolperfallen; vertraute Gegenstände |
| Freizeitgestaltung | Musik, Spaziergänge, kreative Aktivitäten |
Solche Tipps sind essentiell, um den teils schwierigen Alltag mit Demenz gut zu bewältigen und sowohl für die Betroffenen als auch für die pflegenden Angehörigen eine bearbeitbare Lebensqualität zu ermöglichen.
Wie der Praxistag den gesellschaftlichen Umgang mit Demenz in Osttirol fördert
Der 4. Praxistag war nicht nur eine Informationsveranstaltung, sondern auch ein Zeichen für die gesellschaftliche Sensibilisierung gegenüber Demenz. Die Sprecherinnen der Selbsthilfe Osttirol, Daniela Meier und Brigitta Kashofer, betonten in ihren Beiträgen, wie wichtig es ist, Demenz als Thema offen zu behandeln und die Betroffenen in ihrer gewohnten Lebensumgebung zu unterstützen. Damit wird Inklusion gefördert und Vorurteile abgebaut.
Die Veranstaltung zeigte auch auf, wie groß das Interesse an neuen Wegen im Umgang mit Demenz ist. Die Besucherzahlen und das positive Feedback unterstreichen den Bedarf an solchen Formaten. Über die Selbsthilfe hinaus engagieren sich auch nationale Initiativen wie die Alzheimer Gesellschaft Österreich und die DemenzHilfe Österreich, um das Bewusstsein zu stärken und Angebote zu verbessern.
- Förderung von Inklusion und Teilhabe für Menschen mit Demenz
- Abbau von gesellschaftlichen Vorurteilen und Ängsten
- Stärkung des Bewusstseins durch Bildung und Aufklärung
- Unterstützung pflegender Angehöriger als zentrale Säule
- Vernetzung auf regionaler und nationaler Ebene
Insgesamt trägt der Praxistag dazu bei, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Familien nachhaltig zu verbessern und ihre Stimme in der Gesellschaft zu stärken.
Wichtige Kontakte und Unterstützung in Osttirol bei Demenz
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