Ein französischer Koch hat den Sprung gewagt: Statt in einem festen Restaurant arbeitet er heute auf schwimmenden Palästen für Millionäre. Seine Geschichte zeigt, wie man Leidenschaft, Abenteuerlust und ein gutes Gehalt verbinden kann.
Vom kleinen Dorf auf die großen Ozeane
Viele träumen davon, die Welt zu bereisen – doch die wenigsten schaffen es, aus dem Alltag auszubrechen. Antoine, 33 Jahre alt, hat genau das getan. Aufgewachsen in einem ruhigen Ort im Zentrum Frankreichs, schien sein Weg zunächst bescheidener: Kein Schulabschluss, ein BEP in Hotellerie und Gastronomie, dann erste Stationen in britischen Sternerestaurants und schließlich die Mitarbeit im Familienbetrieb seiner Eltern im kleinen Yvoy-le-Marron.
Doch 2016 kam alles anders. Während er als Sous-Chef in einem Fünf-Sterne-Hotel in Dublin arbeitete, schlug ihm ein Freund vor, ihn für einen Monat auf einem 80-Meter-Yacht zu vertreten. Eine verrückte Idee? Vielleicht. Aber sie sollte sein Leben verändern.
Antoine erinnert sich an seine Zweifel – und seinen Mut: „Ich sprach fließend Englisch, hatte internationale Erfahrung, also warum nicht? Französische Köche gelten oft als stur, was Sprachen angeht. Ich wollte das Gegenteil beweisen.“ Nach einer kurzen, fünftägigen Schulung packte er seine Sachen und flog nach Saint-Martin – das Abenteuer begann.

Kochen unter Palmen – Alltag zwischen Trüffel und Tauchgang
Seitdem ist Antoine Chefkoch auf Luxusyachten – von 45 bis 130 Metern Länge – und hat bereits für reiche Kunden von Monaco bis zu den Malediven gekocht. Ob Griechenland, Seychellen oder Saint-Barthélemy: Sein Beruf bringt ihn an Orte, die viele nur von Instagram kennen.
Was nach Traumurlaub klingt, ist allerdings harte Arbeit. „Ich plane täglich sämtliche Mahlzeiten – vom Frühstück bis zum Mitternachtssnack. Nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Crew.“ Seine Menüs reichen von raffinierten Gourmetgerichten bis zu ganz banalen Wünschen: „Manchmal wollen sie einfach nur eine Pizza oder einen Burger. Oder ich soll etwas von McDonald’s liefern lassen.“
Dennoch: Er liebt die Abwechslung. „Wenn die Gäste an Bord sind, habe ich keinen freien Tag. Wenn sie weg sind, nutze ich meine Freizeit zum Schnorcheln, Angeln oder für kulinarische Entdeckungen.“ Regelmäßig besucht er lokale Märkte oder testet gehobene Restaurants – berufliche Neugier gepaart mit persönlichem Genuss.

Luxusjob mit Nebenwirkungen
Das Leben auf einer Yacht ist weit entfernt von einem geregelten 9-to-5-Job – aber genau das gefällt Antoine. Er ist flexibel, organisiert, und inzwischen ein echter Allrounder: „Ich bin Koch, manchmal auch Logistiker, gelegentlich Therapeut – je nach Bedarf.“
Sein Gehalt? Deutlich höher als in einem klassischen Sternerestaurant. Zudem ist er während seiner Einsätze an Bord kostenfrei untergebracht und verpflegt, was ihm ermöglicht, Geld zurückzulegen und sich etwas zu gönnen.
Ein eigenes Restaurant zu eröffnen? Für den Moment keine Option. „Die Bürokratie, der Druck, die Verantwortung – das reizt mich gerade nicht. Ich bin zufrieden, wie es ist.“ Und wenn man ihm zuhört, versteht man schnell, warum: Seine Augen leuchten, wenn er von Wasserfällen auf Mauritius oder Sonnenuntergängen in der Ägäis erzählt.

Ein boomender Markt – auch für Nachwuchsköche
Mit rund 200.000 Luxusyachten weltweit wächst der Bedarf an qualifiziertem Personal stetig. Allein im Jahr 2023 stieg die Anzahl der Neubauten um 7 %, und Hunderte weiterer Yachten sind derzeit im Bau. Die Chancen für gut ausgebildete Fachkräfte – besonders in der Küche – sind vielversprechend.
Antoine ist zum Symbol einer neuen Generation von Profis geworden, die das Beste aus beiden Welten sucht: exzellente Kulinarik und grenzenlose Freiheit. Seine Geschichte zeigt, dass man mit einem offenen Geist und einem Schuss Mut sehr weit kommen kann – manchmal bis ans andere Ende der Welt.